- Oliver Fröhner
- Aktualisiert am 8. September 2026
Hemsbach muss nicht schnell entscheiden – sondern richtig.
Die zentrale Erkenntnis dieser Analyse ist weder „Schillerschule ist falsch“ noch „BIZ ist bewiesen besser“. Sie lautet: Für eine unumkehrbare Schulstandortentscheidung über mehrere Jahrzehnte sind noch zu viele zentrale Fragen offen.
Kurzfazit
Die Unterlagen zeigen eine intensive Schulstandortplanung. Sie zeigen aber noch keinen vollständig gleichwertigen Vergleich aller langfristig relevanten Varianten unter denselben Annahmen.
Bei Beibehaltung aller drei Schulformen kommt isoplan in Variante 3a grundsätzlich auf eine neunzյgige Auslegung.
werden erst erreichbar, wenn u. a. die Realschule ausläuft, 50 % der potenziellen Realschüler nach Weinheim gehen und die Ausschöpfungsquote nicht steigt.
Die aktuelle offizielle Sportplatzvariante wird mit acht Zügen beschrieben. Die isoplan-Prognose 2025 sagt bei drei Schulformen in den meisten Jahren neun. Die Herleitung dieses Unterschieds muss erklärt werden.
Eine kompakte Bündelung aller drei Schularten am BIZ ist nicht bewiesen – aber nach den vorliegenden Unterlagen auch nicht gleichwertig widerlegt oder durchgerechnet.
Was bedeutet ein JA beim Bürgerentscheid?
Die Abstimmungsfrage entscheidet nicht unmittelbar über einen fertigen BIZ-Zentralcampus. Sie entscheidet zunächst darüber, ob die Schillerschulvariante weiterverfolgt und die eigenständige Carl-Engler-Realschule aufgegeben werden soll.
Schillerschulvariante wird gestoppt
Der Schulverband beschreibt die Folge eines JA ausdrücklich als „Einstellung der Planung der Schillerschulvariante“. Gleichzeitig soll die Carl-Engler-Realschule am Standort Hemsbach erhalten bleiben.
Schillerschulvariante wird zügig weitergeplant
Bei einem NEIN soll die Schillerschulvariante zügig geplant und umgesetzt werden. Zugleich soll die regionale Schulentwicklung mit dem Ziel beantragt werden, die Realschule in Hemsbach auslaufen zu lassen.
Offizielle Grundlage: Schulverband NBB – Bürgerentscheid 27.09.2026.
1. Die Schülerprognose ist der Schlüssel
Die isoplan-Präsentation vom 1. Juli 2025 definiert ihre Aufgabe ausdrücklich als „bedarfsgerechte Dimensionierung“ mit einem Zeithorizont von 30 Jahren. Genau deshalb muss die Logik zwischen Bedarf und anschließend gewählter Zügigkeit nachvollziehbar sein.
Alle drei Schulformen bleiben
Ergebnis: Ab 2024/25 müsse ein Schulzentrum mit drei Schulformen neunzügig ausgelegt werden. Gegenüber sieben Zügen entstehen dauerhaft etwa 40–50 zusätzliche Schülerinnen und Schüler in Klasse 5. Auch mit strenger Steuerung lasse sich die Neunzügigkeit in den meisten Jahren nicht vermeiden.
Sieben Züge werden passend gemacht
Sieben Züge reichen nur unter mehreren Bedingungen: Die Realschule nimmt keine neuen Fünftklässler mehr auf, 50 % der potenziellen Realschüler gehen nach Weinheim, die Ausschöpfungsquote steigt nicht über 92,8 % und der Zuzug aus Neubaugebieten wird zeitlich gestreckt.
Ausschöpfungsquote: robuste Annahme?
Für die Prognose wird langfristig ungefähr der Wert von 2024/25 verwendet: 92,8 %. Die Grafik auf Seite 9 zeigt in den Jahren zuvor aber auch Werte nahe oder über 100 %. Eine Sensitivitätsrechnung für 96 %, 98 % oder 100 % ist in der Präsentation nicht dargestellt.
Widerspruch in der Verteilung
Seite 16 verteilt die in Hemsbach verbleibenden potenziellen Realschüler mit 30 % Gymnasium / 20 % GMS. Seite 23 nennt 25 % / 25 %. Für die Gesamtzahl in Hemsbach bleibt das gleich; für die Raumprogramme der einzelnen Schulen kann es relevant sein.
2. Was heute offiziell verglichen wird
| Schillerschulvariante | Sportplatz BIZ + Schiller | |
|---|---|---|
| Schularten | Gymnasium + Gemeinschaftsschule | Gymnasium + Realschule am BIZ, GMS an Schiller |
| Zügigkeit | 7 Züge | offiziell 8 Züge |
| Standorte | 1 Schulstandort | 2 Schulstandorte |
| Realschule | nicht mehr eigenständig in Hemsbach | bleibt eigenständig |
| Bauaufwand | ca. 80,0 Mio. € | ca. 105,0 Mio. € |
| erwartete Förderung | ca. 63,97 Mio. € | ca. 77,14 Mio. € |
| Eigenanteil | ca. 16,03 Mio. € | ca. 27,86 Mio. € |
| BIZ-Sporthallen | Sanierung vorgesehen | Sanierung vorgesehen |
| alter BIZ-Schulbau | später aufzugeben | später aufzugeben; Abrisskosten nicht in den ausgewiesenen 105 Mio. enthalten |
3. Warum heute noch keine Variante als vollständig durchdacht gelten sollte
Die favorisierte Variante beruht auf mehreren Voraussetzungen
- Warum wird eine 30-jährige Planung auf sieben Züge zugeschnitten, wenn die Prognose bei drei Schulformen zunächst neun Züge ergibt?
- Wie robust ist die Annahme einer dauerhaft nicht steigenden Ausschöpfungsquote von 92,8 %?
- Wie wird mit schnellerem Wohnungsbau oder stärkerem Zuzug umgegangen?
- Welches konkrete Verkehrs-, Bring-/Hol- und Parkierungskonzept liegt für den deutlich verdichteten Schillerstandort vor?
- Welchen langfristigen Wert hätte das Schillerschulgelände bei einer alternativen städtebaulichen Entwicklung?
- Warum wurde eine 9-zügige Ein-Standort-Lösung am BIZ nicht in derselben Tiefe durchgerechnet?
Auch unser Prüfszenario ist noch keine fertige Lösung
- Es fehlt ein förmlich berechnetes 9-zügiges Raumprogramm für alle drei Schularten.
- Der exakte Grundstückszuschnitt und ein maßstäblicher Lageplan müssen geprüft werden.
- Förderfähigkeit eines vollständigen GMS-Neubaus am BIZ ist nicht geklärt.
- Baugrund, genaue Altlastengrenze und Gründung am Sportplatz brauchen eine standortbezogene Untersuchung.
- Während der Bauphase fehlt der heutige große Sportplatz; eine Interimslösung ist nötig.
- Abriss-, Sicherungs- und eventuelle Teilentsorgungskosten des alten BIZ-Areals sind noch nicht belastbar beziffert.
Es gab bereits einen Antrag mit genau dieser Grundidee
Am 9. April 2026 stellten Pro Hemsbach, CDU und FDP gemeinsam den überfraktionellen Antrag A003/2026 „Prüfung Altlasten Schulzentrum“. Sein Kern war bemerkenswert nah an der heute aus dieser Analyse abgeleiteten Forderung: erst belastbar prüfen, dann Standort entscheiden.
Fachlich prüfen
Altlastensituation, aktuelle Messdaten, Gründung, Statik, Tragwerk und mögliche Einschränkungen einer Sanierung sollten unabhängig untersucht werden.
Finanziell vergleichen
Bei grundsätzlicher Sanierungsfähigkeit sollte eine Projektstudie Gesamtkosten, technische und baurechtliche Umsetzbarkeit, mögliche Fördermittel und den Vergleich mit Neubauvarianten darstellen.
Keine Vorfestlegung
Der Antrag enthielt ausdrücklich den Punkt: Vor Abschluss der Prüfungen und der Stellungnahme der Kommunalaufsicht keine abschließende Standortentscheidung.
Quellen: Stadt Hemsbach – A003/2026 · Pro Hemsbach – Dokumentation zum Rückzug
4. Prüfszenario C: 9-zügiger Zentralcampus am BIZ
Dieses Modell ist kein fertiger Gegenentwurf. Es dient dazu zu zeigen, welche Alternative vor einer Endentscheidung zumindest ernsthaft technisch und wirtschaftlich geprüft werden sollte.
Neubau
9-zügigen Campus auf dem heutigen Sportplatz prüfen und bauen.
Umzug
Alle drei Schulen an einem Standort bündeln; bestehende BIZ-Hallen integrieren.
Rückbau
Alten BIZ-Schulbau abbrechen und Altlastenbereich fachlich neu ordnen.
Sport zurück
Fußball- und weitere Sportflächen auf dem bisherigen BIZ-Areal neu herstellen.
5. Sport und Hans-Michel-Halle gehören in dieselbe Gesamtplanung
2014 wurde bereits integriert gedacht
Die Hemsbacher Sportentwicklungsplanung untersuchte ausdrücklich auch den Rückbau der Hans-Michel-Halle. Die damalige Bestands-Bedarfs-Bilanz kam zu dem Ergebnis, dass der Handballsport grundsätzlich ins BIZ verlagert werden könnte. Erhalt oder Rückbau wurde als politische Entscheidung beschrieben.
Das ist zwölf Jahre alt und kein heutiger Bedarfsnachweis. Es zeigt aber: Eine gemeinsame Betrachtung von HMH und BIZ ist planerisch keineswegs neu.
HMH nicht vorschnell als Verkaufserlös einrechnen
Für 2020 lag eine Sanierungsschätzung von rund 6,83 Mio. € vor. Ob eine Sanierung heute sinnvoll, vermeidbar oder durch andere Sportkapazitäten ersetzbar wäre, muss mit einer aktuellen Hallenbedarfsanalyse geklärt werden. Erst danach darf ein möglicher Grundstückserlös überhaupt in eine Gesamtbilanz einfließen.
6. Altlast: ernst nehmen – aber planerisch differenzieren
Altlast ist real
Unter dem BIZ befindet sich eine erhebliche historische Ablagerung mit dokumentierten Schadstoffen. Arbeiten im belasteten Bereich erfordern Schutz-, Überwachungs- und Entsorgungsmaßnahmen.
Sporthallen können weiter genutzt werden
Für die bestehenden BIZ-Sporthallen teilte die zuständige Fachbehörde 2024 mit, dass einer weiteren Nutzung aus Sicht der Altlasten- und Bodenschutzbehörden nichts entgegensteht.
Sport statt Wohnen
Nach Rückbau des alten BIZ könnten weniger sensible Nutzungen wie Sportflächen, Hallen oder Parken untersucht werden. Teilentsorgung und Sicherung müssen dabei getrennt bewertet werden; Versiegelung beseitigt eine Altlast nicht automatisch.
Altlast BIZ: Förderprogramme müssen in die Rechnung
Die Altlast unter dem BIZ bleibt ein ernstes technisches und finanzielles Risiko. Neu für die Gesamtbetrachtung ist aber: Baden-Württemberg fördert die Untersuchung und Sanierung kommunaler Altlasten über einen eigenen Altlastenfonds. Deshalb darf eine künftige BIZ-Neuordnung nicht pauschal mit 100 Prozent Eigenfinanzierung angesetzt werden.
| Bearbeitungsstufe / Maßnahme | regulärer Fördersatz | Bedeutung für das BIZ |
|---|---|---|
| Orientierende Untersuchung | 100 % | Gefährdungsabschätzung / erste fachliche Untersuchung |
| Detailuntersuchung | 50 % | genauere Abgrenzung und Bewertung belasteter Bereiche |
| Sanierungsuntersuchung und -planung | 50 % | Vergleich von Dekontamination, Sicherung und Nachnutzungsvarianten |
| Sanierungs-, Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen | 60 % | z. B. Sanierung bzw. fachlich anerkannte Sicherungsmaßnahmen |
Bis zu 90 % bei Leistungsschwäche
Nach Angaben der Regierungspräsidien kann der Fördersatz für Sanierungsmaßnahmen bei nachgewiesener kommunaler Leistungsschwäche auf bis zu 90 Prozent erhöht werden. Ob Hemsbach bzw. der zuständige Träger diese Voraussetzung erfüllt, ist offen und muss ausdrücklich geklärt werden.
Auch Wiederverwendung belasteter Flächen ist Förderziel
Das Umweltministerium nennt neben Gefahrenabwehr ausdrücklich das Flächenrecycling: belastete kommunale Flächen sollen saniert und wieder sinnvoll genutzt werden können. Das passt grundsätzlich zu einer Prüfung von Sport-, Hallen- oder Infrastrukturflächen nach dem BIZ-Rückbau.
Offizielle Quellen: Regierungspräsidien Baden-Württemberg – Finanzielle Förderung der Sanierung von Altlasten · Umweltministerium Baden-Württemberg – Altlastensanierung
7. Kosten: lieber bekannte Zahlen zeigen als einen scheinpräzisen Rechner
Ein Bürgerrechner mit frei einzugebenden Abriss-, Förder- oder Altlastenkosten wäre nicht hilfreich, solange genau diese Werte öffentlich fehlen. Sinnvoller ist eine transparente Bilanz aus bekannt, noch offen und erst dann vergleichbar.
Offizielle Schiller-Variante
Bauaufwand
63,97 Mio. € erwartete Förderung
16,03 Mio. € Eigenanteil
Offizielle Sportplatz-Variante
Bauaufwand
77,14 Mio. € erwartete Förderung
27,86 Mio. € Eigenanteil
Die entscheidenden Variablen
9-zügiges Raumprogramm, GMS-Neubaukosten, konkrete Förderung, BIZ-Abriss, Altlastensicherung, Interimssport, Schiller-Erlöszuordnung und HMH-Ersatzbedarf.
8. Was vor einer endgültigen Entscheidung mindestens vorliegen sollte
A. Einheitlicher Bedarf
Ein verbindliches Raumprogramm für 9 Züge bei drei Schulformen sowie Sensitivitäten für Schülerzahlen, Ausschöpfungsquote und Wohnbauentwicklung.
B. Gleichwertiger Standortvergleich
Schiller, offizielle Sportplatzlösung und 9-zügiger BIZ-Zentralcampus mit denselben Kriterien: Fläche, Verkehr, Baugrund, Förderung, Baukosten und 30-jährige Folgekosten.
C. Gesamtstadt statt Einzelprojekt
Schillergrundstück, BIZ-Rückbau, Sportflächen, Hans-Michel-Halle, Altlasten und Stadtentwicklung gemeinsam bewerten – einschließlich Eigentum und tatsächlicher Nettoerlöse.
| Prüfauftrag | Warum entscheidungsrelevant? | Status |
|---|---|---|
| 9-zügiges Raumprogramm für alle 3 Schularten | isoplan prognostiziert bei Erhalt aller Schulformen überwiegend 9 Züge. | offen |
| maßstäblicher Lageplan BIZ-Sportplatz | zeigt, ob Campus + Außenflächen funktional passen. | offen |
| Förderauskunft GMS-Neubau am BIZ | kann die Wirtschaftlichkeit um viele Millionen verändern. | offen |
| Verkehrskonzepte beider Standorte | Standortqualität und Belastung des Quartiers gehören in denselben Vergleich. | offen |
| BIZ-Abriss + Altlasten-Neuordnung | betrifft Kosten, Nachnutzung und langfristiges Restrisiko. | offen |
| aktuelle Hallenbedarfsanalyse inkl. HMH | entscheidet, ob Sportflächen konsolidiert und HMH anders genutzt werden könnte. | offen |
| Schiller-Eigentum und Nettoverwertung | ein genannter Verkaufspreis ist nicht automatisch ein kommunaler Nettoerlös. | offen |
Quellen und Dokumente
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